Als Gründerin oder Gründer verlassen Sie die normalen Strukturen des Arbeitslebens. Sie sind freier, auch wenn Sie neuen Zwängen ausgesetzt sind. Die Regelmäßigkeit eines nine-to-five-Jobs werden Sie aber definitiv nicht mehr haben. Die vorgegebenen Arbeitsstrukturen aus dem Angestelltendasein werden ausgetauscht gegen ein Arbeitsleben mit open end – wenn Sie nicht frühzeitig anfangen, eigene Strukturen aufzubauen, die Ihnen im Alltag Schutz vor der Selbstausbeutung bieten. Tun Sie das nicht, ist die Folge Dauerstress und Sie bekommen das Gefühl, dass selbst die 24 Stunden eines Tages kaum ausreichend sind, um Ihre Arbeit zu schaffen.
Deshalb ist Arbeitsorganisation gerade für Gründerinnen und Gründer in der Kultur- und Kreativwirtschaft ein Thema.


ehrliche Arbeit – freies Kulturbüro, Berlin
www.ehrlichearbeit.de
Ilka Rümke, Elena Polzer

Welche Hürden sehen Sie bei Kultur- und Kreativschaffenden bei der Organisation der eigenen Arbeit?

Eine große Hürde ist die Arbeitsform der Selbständigkeit – der Druck ist höher. Kultur- und Kreativschaffende arbeiten in prekären Strukturen und dadurch ständig am Existenzminimum. Da vergisst man schnell mal Urlaub zu nehmen. Deshalb haben wir uns ganz bewusst eine kollektive Struktur geschaffen. In unserer Branche müssen sich bedauerlicherweise viele als „Einzelkämpfer“ von Projekt zu Projekt durchschlagen und geraten so oft in finanzielle Bedrängnis, wenn ein Projekt oder Fördergelder weg brechen. ehrliche arbeit setzt dem als Solidargemeinschaft etwas entgegen: wir teilen uns Arbeit und Kosten, sind sechs gleichberechtigte Gesellschafterinnen und verdienen gleich viel – unabhängig davon, wie viel die Einzelne jeweils durch die von ihr betreuten Projekte erwirtschaftet. Dadurch können wir auch unsere Kapazitäten besser nutzen und sind effektiver.

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Unternehmerinnenzentren Schraubenfabrik, Hutfabrik, Rochuspark in Wien
www.konnex.cc/communities
Stefan Leitner-Sidl

Sie haben in Wien inzwischen das dritte Unternehmerinnenzentrum gegründet und dabei speziell die Kultur- und Kreativwirtschaft im Blick. Gibt es besondere Anforderungen dieser Branche an Büroge-meinschaften?

Aus meiner Erfahrung haben Selbständige, die im kreativwirtschaftlichen Kontext arbeiten, schon bestimmte Ansprüche und einen eigenen Lifestyle, der unterscheidbar ist von anderen. Dabei geht es jedoch weniger um Hard- als um Softfacts. Für diese Leute ist es wichtig, wie ein Raum gestaltet ist, welche Atmosphäre er hat, welche Stimmung von den anwesenden Leuten ausgeht, ob es bemüht oder wirklich locker rüberkommt. Welche Regeln und Konventionen es gibt. Solche Leute sind oft kreative Freigeister und die brauchen einen speziellen Ort, in dem sie das sein und bleiben können.

Für Gründerinnen und Gründer in der Kultur- und Kreativwirtschaft ist der Blick auf die Mietkosten ein besonderes Thema. Welchen Nutzen bieten Gemeinschaftsbüros wie der Rochuspark in Wien den Gründern?

Die Leute kaufen bei uns ein All-Inclusive-Paket, welches sowohl Miete, Betriebskosten, Strom und Heizung umfasst als auch die Kosten für Internet, Telefon-Grundgebühr, regelmäßige Reinigung, Versicherungen und die Mitbenutzung der technischen und räumlichen Infrastruktur (Kopierer, Drucker, Besprechungsräume etc.). Sie müssen sich somit um diese Dinge nicht mehr kümmern und können sich voll auf ihren eigentlichen Tätigkeitsbereich konzentrieren. Zudem sind die Kosten für ein solches All-Inclusive-Paket relativ moderat im Vergleich zur Anmietung eines eigenen Büros, von den Vorzügen der Community und des Kontakt-Netzwerks gar nicht zu sprechen.

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