Warum gehen wir in einem Buch über Gründung auf das Thema „Führen“ ein? In einem Buch, das sich vor allem mit einer Phase beschäftigt, in der die Wenigsten bereits eigene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben. Vielleicht streben Sie auch von Ihrem Selbstverständnis und der Art, wie Sie Ihr Unternehmen in der Zukunft sehen, überhaupt keine Führungssituationen an. Vielen bereitet dieses Thema Probleme. Gerade in der Kreativbranche sind Individualisten unterwegs, die unabhängig sein wollen und sich oftmals selbst der Führung durch andere entzogen haben, weil sie die Strukturen des Angestelltendaseins als einengend empfunden und Führungskräfte in Unternehmen als inkompetent oder menschlich enttäuschend erlebt haben. Führung wird deshalb gleichgesetzt mit Hierarchie, Kontrolle und Machtausübung über andere, was sie aber nicht sein muss. Führung bedeutet für uns, die vorhandenen Ressourcen im Hinblick auf ein bestimmtes Ziel zu bündeln und zu organisieren. Das Ziel besteht darin, die beteiligten Mitarbeiter oder Kooperationspartner mit ihren Fähigkeiten für die gemeinsame Aufgabe zu gewinnen und auch die eigenen Fähigkeiten ganz für den Unternehmenserfolg einzusetzen.


She She Pop, Performance Kollektiv, Berlin
www.sheshepop.de
Fanni Halmburger, Lisa Lucassen, Ilia Papatheodorou

Was bedeutet „Führung“ für Sie und wie äußert sie sich im konkreten Alltag?

Es gibt zwei Sorten: wie vorhin beschrieben innerhalb des Kollektiv etwas voranzutreiben, sich als Expertin mit einem „Mandat“ zu qualifizieren und dann gibt es die Externen und Mitarbeiter, die Führung ganz dringend bedürfen – die brauchen eine Absprache, was ihr Job ist, und müssen wissen wann ihr Job erledigt ist.

Es gibt bei Ihnen also so etwas wie zwei Führungsbereiche: Der kreative Prozess innerhalb der Gruppe und der eher organisatorische Prozess mit Mitarbeiterinnen und externen Dienstleistern. Wo entstehen bei diesen zwei Führungsbereichen besondere Reibungen?

Wir wollen mit Leuten arbeiten, bei denen wir die flache Hierarchie, die wir in der Gruppe haben, möglichst so auch mit den Mitarbeitern erhalten können. Wo es nicht geklappt hat, war es meistens so, dass der Mitarbeiter nicht mit der kollektiven Struktur umgehen konnte. Das sind oft Mitarbeiterinnen, die aus starken hierarchischen Strukturen in der Kulturwirtschaft kommen. Rückblickend knirscht es immer wieder an der Stelle, dass Leute gleichberechtigt mit uns arbeiten, dann aber z. B. bestimmte Ideen doch nicht ganz gleichberechtigt sehen. Bei uns kann man sich mehr mit fachlichem Einbringen als mit hierarchischen Rollen profilieren.

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hochC Landschaftsarchitektur, Berlin
www.hochc.de
Claus Herrmann

Was bedeutet Führung in einem Architekturbüro?

Führung hat für mich v.a. eine ökonomische und eine soziale Komponente, in meinem Fall sogar eine ökologische.
Ökonomische Führung: es sollen immer und möglichst langfristig auskömmliche Aufträge vorhanden sein. Das ist nur mit einer guten Ausrichtung des Büros auf die Marktlage, einer gezielten auf das Büro zugeschnittenen Akquise und einem guten Controlling möglich.
Soziale Führung: Ich versuche zu einem vertrauensvollen und angenehmen Büroklima beizutragen und will, dass sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Team und mit mir wohlfühlen, Wertschätzung und konstruktive Kritik erfahren, sich mit möglichst viel Eigeninitiative und entsprechend ihrer individuellen Fähigkeiten in das Büro einbringen. Außerdem versuche ich meine Mitarbeiter langfristig an das Büro zu binden. Im besten Fall schaffe ich es, dass sich das gesamte Team mit dem Büro identifiziert.
Ökologische Komponente: Auch die Gestaltung und Umsetzung der ökologischen Komponente ist Bestandteil meiner Führungsaufgaben: Wir arbeiten am Konzept „ hochC wird grün“ indem wir einen eigenen Leitfaden für ein möglichst umweltfreundliches Büro erarbeiten und umsetzen. Neben der Beschaffung von umweltfreundlichem Bürobedarf und Stromeinsparung sind wir dabei, bei der Auswahl von Produkten für Bauvorhaben diese Komponente besonders zu berücksichtigen.
Die ökologische Komponente will ich in den nächsten Jahren noch stärker zu einem Alleinstellungsmerkmal des Büros entwickeln.
In diesem Sinn ist es mein – noch nicht ganz erreichtes – Ziel, das Unternehmen hochC entsprechend den drei Nachhaltigkeitsfaktoren Ökonomie, Ökologie und Soziales nachhaltig zu führen.

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