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Kapitel 9: Buchhaltung, Controlling, Vorsorge: den Überblick behalten „Künstler sind keine Unternehmer, die gemäß
den Regeln des Marktes agieren“ – dieses Zitat von Olaf Zimmermann
zeigt, dass in der Kultur- und Kreativwirtschaft teilweise eigene Regeln
gelten. Teilweise. Wir haben dieses Buch in der Überzeugung geschrieben,
dass es sich auch für Kreativschaffende lohnt, den Blick über
den eigenen Tellerrand zu richten und zu erkunden, wo sich aus Bereichen
wie der Betriebswirtschaft oder dem Marketing Dinge mitnehmen lassen,
mit deren Anwendung sich gerade die kreative und künstlerische Tätigkeit
nachhaltiger ausüben lässt – im Dienste der Kunst und
Kultur. Dass das schnell eine Gratwanderung wird, ist keine Frage. Nur
wenn man die andere Seite des Grats nicht kennt, ist die Gefahr groß,
dass man unbeabsichtigt abstürzt.
Sie haben sich im Rahmen Ihrer Arbeit und Dissertation intensiv mit Arbeitsformen und -verhältnissen u.a. auch in der Kulturwirtschaft beschäftigt. Was waren für Sie besondere Erkenntnisse? Zunächst einmal war die Beobachtung wichtig, dass sich in den letzten 10-15 Jahren sehr viel verändert hat. Es hat einen enormen Zuwachs der selbständigen und freiberuflichen Arbeit gerade in den letzten zehn Jahren gegeben und damit geht natürlich eine öffentliche Diskussion über veränderte Arbeitsformen einher. Ein hoher Anteil der Beschäftigten in der Kultur- und Kreativwirtschaft sind inzwischen selbständig. Damit wird der Bereich auch zum Seismografen für Entwicklungen in anderen Bereichen der Erwerbstätigkeit. Wie stark müssen Kultur- und Kreativschaffende umdenken? Ein Umdenken bei den Künstlerinnen und Künstlern
wäre tatsächlich hilfreich. Sowohl auf der politischen als auch
der je eigenen wirtschaftlichen Ebene. Sie sollten ihre künstlerische
Arbeit mehr im Rahmen einer Arbeitsbiografie denken und einbetten. Das,
was in anderen Branchen vielleicht zu stark in den Fokus rückt –
alles nur unter dem Aspekt Lohnarbeit zu sehen – ist meiner Ansicht
nach in der Kultur- und Kreativwirtschaft eher unterbelichtet. Es wird
fast nur in Richtung Selbstverwirklichung geschaut. Wenn man seine Arbeit
aber im Rahmen der eigenen Arbeitsbiografie versteht und einschätzt,
also vor dem Hintergrund der Ausbildung, der Erfahrungen usw., dann entsteht
damit auch eine andere Erwartungshaltung an die Entlohnung der eigenen
Arbeit, an das zu erwartende Honorar. Den Wert der eigenen Arbeit zu erkennen,
hat auch damit zu tun, dass man sich über deren Nutzen für andere
bewusst wird, dass man an den eigenen Fähigkeiten arbeitet und z.B.
Weiterbildungen macht, dass man seine Arbeit entsprechend zu platzieren
versteht. Diese andere Haltung würde vielleicht aus dieser Entwertung
der Arbeit, die auch eine Selbstentwertung ist, herausführen. Zusätzlich
könnten die Kreativschaffenden dann auch besser für ihre soziale
Absicherung sorgen. Weiterlesen >>
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